Zwicky stößt zu Gütermann

Nach der Jahrtausendwende und des Zusammenschlusses mit dem Schweizer Nähfadenhersteller Zwicky bestand der Vorstand von Gütermann aus drei Personen: Peter Zwicky, Clemens Gütermann sowie Roland Hämmerle. Der Nähfadenanteil von Zwicky wurde in das bestehende Gütermann Sortiment integriert, Aktivitäten im Automobilsektor wurden intensiviert und Zwicky Pirmasens wurde zum Zentrum des Vertriebs aller technischen Fäden bestimmt.
 
Zwicky Meilensteine
Zwicky Werbung1840: Eine Seidenzwirnerei in Wallisellen
Der Ursprung der Firma Zwicky ist eine Werkstatt in Wallisellen bei Zürich, die Johann Caspar Guggenbühl 1840 erwirbt und in eine Seidenzwirnerei umwandelt. Dass daraus eine größere Unternehmung werden könnte, ist zu diesem Zeitpunkt nicht absehbar. Doch der Firmengründer hat eine gute Hand im Geschäft und so entstehen bald schon eine eigene Färberei sowie Arbeiterwohnhäuser auf dem Areal.

1851: Erste Expansion
Bereits elf Jahre später zieht die Zwirnerei in einen Neubau um. Das Wasser der Glatt und des Chriesbachs werden aufgestaut und versorgen mittels einer Turbine den Betrieb mit Energie. 1859 kommt eine weitere Seidenzwirnerei in Frauenfeld dazu.

1861: Die nächste Generation
Nach dem Tod des Firmengründers übernimmt sein Sohn Johann Jacob den Betrieb und baut ihn weiter aus. Um die damals äußerst zeitintensive Seidenherstellung effizienter zu gestalten, entwickelt er ein neues Arbeitsmodell. Das Winden und Putzen der damals als Rohstoff verwendeten groben chinesischen und japanischen Seiden ist ungeheuer aufwendig. Geschulte Winderinnen und Winder können selbst an den damals üblichen 13-Stunden-Arbeitstagen kaum mehr als 500 Gramm Seide verarbeiten. Um dem abzuhelfen, stattet Guggenbühl viele Landhäuser im ganzen Kanton mit kleinen Windemaschinen aus. Fortan erfolgt das Winden und Putzen der Hausgespinste dort in Heimarbeit oder auch in größeren Gemeinden wie im Fricktal, in Kloten oder in Volketswil in eigens dafür errichteten Windereigebäuden. Mehrere hundert solcher Maschinen sind im späten 19. Jahrhundert im Einsatz. Sie verschwinden erst, als die groben Seiden nicht mehr direkt nach Europa geliefert, sondern aus Kostengründen bereits in den Ursprungsländern China und Japan veredelt werden.
Zwicky Luftaufnahme1886: Die Firma kommt zu ihrem Namen
Nach dem Tode Johann Jacob Guggenbühls übernimmt dessen Schwiegersohn Fritz Zwicky das Unternehmen und gibt ihm den Namen, unter dem es noch heute firmiert. Er passt den Betrieb auch den veränderten Marktgegebenheiten an: Denn zu dieser Zeit gewinnt die weit  günstiger herzustellende Schappeseide gegenüber den teuren Reinseidenfäden zunehmend an Bedeutung. In der Folge ist die Firma mit beiden Produkten – realer Stickseide für die Stick- und Weberei sowie Schappezwirne zum Nähen – erfolgreich.

1903: Weitere Expansion und Internationalisierung
Anfang des 20. Jahrhunderts nimmt das Unternehmen eine neue Zwirnerei in Betrieb und setzt zugleich verstärkt auf den Export, da der Inlandmarkt nicht mehr genügt. Darüber hinaus gründet Zwicky aufgrund der ständig steigenden Einfuhrzölle auch immer mehr Produktionen im Ausland. So entstehen neben Vertriebsniederlassungen in Paris, Lyon, Prag, Krakau und Bukarest auch Fertigungsstandorte im Elsass, in Gotha (Thüringen) und in Wien. Kurz vor dem ersten Weltkrieg treten Fritz Zwickys Sohn Ernst sowie Schwiegersohn Carl Adolf Burckhardt als Teilhaber ins Geschäft ein.

1945: Steter Aufschwung nach schweren Jahren
1941, nach dem Tod Fritz Zwickys, befindet sich die Firma in einer Krise, die sie erst mit dem Aufschwung nach 1945 überwindet. So errichtet das Unternehmen im Schweizerischen Fällanden eine weitere Seidenzwirnerei. Als Ersatz für das Gothaer Werk, das in der DDR unter Zwangsverwaltung steht, baut man in der Region Pirmasens (Pfalz) eine neue Produktion auf. Mit intensiver Forschung und Entwicklung wird die Herstellung von Kunstfasern wie Nylon und Polyester aufgenommen, die bald schon die herkömmlichen Fasern wie Seide und Baumwolle übertrifft.
1960: Konzentration auf die Produktion von Kunstfasern
Nach dem Tod der beiden Teilhaber übernehmen in den 60er Jahren deren Söhne Dieter Zwicky und Christoph Burckhardt die Firmenleitung. Sie sind massgeblich am Ausbau der Kunstfaser beteiligt. Allerdings sind sie angesichts der sich zunehmend nach Asien verlagernden Textilproduktion und der hohen Schweizer Produktionskosten auch zu schmerzhaften Massnahmen gezwungen, die sich in Personalabbau sowie in Standortschließungen in Wien und in Fällanden niederschlagen.

1982: Zwicky wird Aktiengesellschaft
Zu Beginn der 1980er Jahre wird das Unternehmen in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. 1988 scheidet Christoph Burckhardt auf eigenen Wunsch aus dem Unternehmen aus. Noch im gleichen Jahr stirbt der nunmehr alleinige Eigentümer Dieter Zwicky, worauf dessen Sohn Peter Zwicky die Unternehmensführung in der 6. Generation übernimmt. Unter den Gegebenheiten der Zeit investiert er in das Unternehmen, restrukturiert es und konzentriert die Produktion auf den Kernbereich Nähfäden im Mutterwerk in Wallisellen sowie am Standort Pirmasens. Erfolgreich ist das Unternehmen nun dank der Entwicklung innovativer Produkte für die Automobilindustrie.

2001: Gemeinsam mit Gütermann erfolgreich
Zu Beginn des neuen Jahrhunderts wird das operative Geschäft mit dem des Unternehmens Gütermann zusammengelegt, das international deutlich breiter aufgestellt ist. Peter Zwicky tritt in den Vorstand des langjährigen Mitbewerbers ein. Die Firma Zwicky besteht weiterhin und kümmert sich intensiv um die Umnutzung ihres 21 Hektar großen Areals mit zahlreichen Immobilien, das unmittelbar am Rande der Stadt Zürich liegt. Heute entsteht an dem ehemaligen Produktionsstandort für hochqualitative Nähfäden ein neuer Stadtteil mit einer qualitativ ebenso wertvollen gemischten Wohn- und Arbeitsnutzung.