Die Gütermann Ära

Wer steckt eigentlich hinter der Familie Gütermann?
Erfahren Sie hier mehr über unsere Wurzeln und mehr als vier Generationen Gütermann Geschichte.
 
Der Gründer „Max Gütermann“

Am 12. Oktober Max Gütermann1828 kam Max Gütermann in dem kleinen oberfränkischen Dorf Redwitz a.d. Rodach als zweites von acht Kindern zur Welt. Seine Familie war wohlhabend, angesehen und schon seit Generationen im Textilhandel tätig. Im Jahr 1854 heiratete Max Gütermann eine Cousine aus Lichtenfeles, Sophie Kohn. Zusammen mit den sechs Kindern Fanny, Carl, Julius, Alexander, Ludwig und Rudolf zog Familie Gütermann im Jahr 1868 nach Gutach in das neu errichtete „Herrenhaus“ direkt neben der Firma Gütermann. Max und Sophie hatten 30 Enkel, 54 Urenkel, 118 Ururenkel und weit über 200 Urururenkel. Inzwischen gibt es Nachkommen in der achten Generation.

Max Gütermann war ein typischer Unternehmer der Gründerzeit –intelligent, arbeitsam, ehrgeizig kreativ und vor allem innovativ. Auch soziales Denken spielte für Max Gütermann von Anfang an eine maßgebliche Rolle. Am Gutacher Firmensitz wurde ein ganz eigener Stil gepflegt – einerseits geprägt von patriarchalischer Strenge, andererseits aber auch von Wohlwollen und Gerechtigkeit. Max Gütermann strebte stets danach, aus einer reinen Arbeitsgemeinschaft eine Lebensgemeinschaft zu formen. Honoriert wurde dies von Seiten der Arbeitergemeinschaft durch einen Ehrentitel ganz eigener Art: Max Gütermann wurde nicht selten mit „Papa Gütermann“ oder „Herr Max“ angesprochen. Daraus entwickelte sich ein Brauch, der über vier Generationen erhalten blieb: Die Gütermanns wurden mit „Herr“ und dem jeweiligen Vornamen angesprochen.

Und noch etwas blieb über die Jahre erhalten: Wer immer ein Anliegen hatte, konnte an die Tür der Herren Gütermann klopfen, eintreten und sein Anliegen vortragen. Sie hatten für jeden ein offenes Ohr. Und nicht immer ging es dabei um Geschäftliches oder betriebliche Belange. Max Gütermann schuf damit ein Klima des Vertrauens und der Verbundenheit.
 
Selbstständige Fertigung und Übergabe

Kinder Max GütermannZwanzig Jahre nach der Firmengründung, erreicht Max Gütermann im Jahre 1884 das Ziel der selbstständigen Fertigung und somit die Voraussetzung, seinen Kunden Produkte von gleichbleibender Qualität bieten zu können. Dieser Erfolg ist der richtige Zeitpunkt, sich aus dem aktiven Geschäftsleben zurückzuziehen und den Stab an seine fünf Söhne Carl, Julius, Alexander, Ludwig und Rudolf weiterzugeben.

Unter Ihrer Führung wurden im Zeitraum von 1884 bis 1931 zahlreiche Sozialleistungen realisiert, die die Einbindung der Arbeiterschaft in den Betrieb und somit deren Verbundenheit mit dem Unternehmen maßgeblich und nachhaltig förderten. Hierzu zählten eine Betriebskrankenkasse, die Gründung eines Musikvereins welcher später in die „Werkkapelle Gütermann“ umbenannt wurde und weit über das Elztal für seine hervorragenden Leistungen bekannt war, die Gründung eines Männerchors, eines Schützenvereins, eines Fußballvereins, eines Schachclubs sowie die Einrichtung einer Werksantine, eines Werkheims mit Werkbücherei und eines Betriebskindergartens. Es folgten die Errichtung eines Krankenhauses für die Belegschaft, der Bau eines Mädchenheimes, die Finanzierung der Turnhalle Kollnau/Gutach für den Turnverein, die Gründung des Golfclubs Gütermann Gutach sowie der Bau von rund 600 Werkswohnungen für die Arbeiterschaft. Zudem wurde ein Prämiensystem eingeführt, das die Mehrarbeit die ein Mitarbeiter in einer bestimmten Zeit leistete, mit einem Bonus belohnte.

WerkswohnungenMusikkapelleGolfplatz

 
Die Goldenen Zwanziger und der II. Weltkrieg

Die goldenen ZwanzigerElf Enkel des Firmengründers Max Gütermann und zwei Angeheiratete fanden in den Jahren zwischen 1908 und 1933 eine Position in der expandierenden Firma in Gutach, Wien oder Perosa. Am Stammsitz Gutach waren Alexanders Söhne Max und Paul sowie Julius‘ Söhne Oskar, Richard und Erich tätig. Als Jüngster war Kurt Gütermann, Sohn von Ludwig, Mitglied der Geschäftsleitung.
Unter dem Vorsitz des geschäftstüchtigen Richard meisterte die dritte Generation die 1920er Jahre, die schwierige Zeit des Nationalsozialismus und des Weltkriegs, in dem fünf Söhne der Familie Gütermann den Tod fanden. Obwohl Gütermann infolge des Krieges sämtliche Gesellschaften in den osteuropäischen Ländern verlor, wurde der nächsten Generation ein gesundes Unternehmen mit den Voraussetzungen für eine erfolgreiche Weiterentwicklung übergeben.
Nachkriegszeit - Auf neuen Wegen

In denStandort Gutach Nachkriegsjahren trat nach und nach die vierte Gütermann Generation – neun Nachkommen, drei Angeheiratete – in die Gütermann Gesellschaften in Gutach, Perosa, Sao Paulo, Wien, Paris und Zürich ein. In Gutach waren Horst, dann Alex und später Peter Gütermann in der Geschäftsleitung tätig. Die Situation in den Nachkriegsjahren war desolat. Erst im Jahre 1949 begann sich mit der Währungsreform und Gründung der BRD die allgemeine wirtschaftliche Lage zu bessern. In Gutach konnten wieder Rohstoffe bezogen und Arbeitskräfte neu eingestellt werden. Die Jahre des „Deutschen Wirtschaftswunders“ brachen an.

In der Geschäftsleitung herrschte auch weiterhin ein Grundkonsens darüber, was Werte, Leitbild und Strategie betraf. Die fruchtbare Zusammenarbeit und das gegenseitige Verständnis waren sicherlich mit dafür ausschlaggebend, dass auch wirtschaftlich schwierige Zeiten relativ unbeschadet durchgestanden werden konnten. Vor allem aber fühlte sich auch die vierte Generation den Mitarbeitern im Betrieb und dem Ort Gutach sehr verbunden, was in ihrem ehrenamtlichen Engagement für die Gemeinde sowie für sportliche und kulturelle Aktivitäten der Gutacher Vereine zum Ausdruck kam.