Nahtfestigkeit

Veröffentlicht am: 16.10.2017
Wussten Sie, dass für jede Nahtposition die entsprechende Nahtfestigkeit ermittelt werden kann?
Da bekanntlich der Faden die Naht macht, bestimmt der Einsatz des richtigen Fadentyps und seine Verarbeitung zur Naht über die Nahtfestigkeit. So spielt u.a. die Anzahl der Stiche pro cm eine wesentliche Rolle, wie fest die Naht tatsächlich wird. Die Nahtfestigkeit wird direkt durch zwei Parameter beeinflusst: Nähfadenlängs- und –querfestigkeit. Bei der Querfestigkeit unterscheidet man zwischen der Schlingen- und Knotenfestigkeit. Für die Nahtfestigkeit ist nur die Schlingenfestigkeit von Interesse.

Nachfolgend einige Schlingenfestigkeiten bei:
 
Polyester endlos hochfest = 60 – 65 %
Polyamid 6.6. endlos hochfest = 70 – 80 %
Polyamid 6.6. texturiert = 90 – 95 %
Carbon = 4 -   6 %

Dieses Wissen hilft, wenn man z.B. auf einen dünneren und weniger reißfesten Nähfaden umsteigen möchte, aber die gleiche Nahtfestigkeit wie zuvor behalten will. Verarbeitet man einen feineren Stoff in einer neuen Kollektion, so kann die Schließnaht genauso stark sein, wenn die Stichdichte leicht erhöht wird. Die Erhöhung der Stichdichte von beispielsweise 3 auf 4,5 Stiche/cm führt nur zu einem sehr geringen Anstieg des Fadenverbrauches von ca. 10 %, die Nahtfestigkeit hingegen steigt um ca. 50 %. Als Ergebnis dieser Überlegung steht, dass in der optischen Gestaltung des Kleidungsstücks keine Abstriche gemacht werden müssen. Setzen Sie die Fadenstärke ein, die für ihren Stoff angemessen erscheint und erzielen Sie eine gleich starke Naht.

Anzumerken ist auch, dass eine höhere Stichdichte dabei aber nicht zwangsweise auch einen stark erhöhten Fadenverbrauch bedeutet. Beim Doppelkettenstich beispielsweise macht sich eine höhere Stichdichte fast ausschließlich im Nadelfadenverbrauch bemerkbar, kaum aber im Greiferfadenverbrauch. Dieser Anstieg des Nadelfadenverbrauches hängt natürlich von der Nähgutdicke ab, bleibt aber hinter dem Gewinn an Festigkeit in der Naht zurück. Höhere Festigkeitsverluste deuten auf schlecht eingestellte oder ungeeignete Nähmaschinen  hin. Bei Technischen Textilien kann die Ursache aber auch darin liegen, dass durch die Härte des Nähgutes der Nähfaden thermisch geschädigt wird und dadurch zusätzliche Festigkeit verliert.

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